Frauenarmut in Österreich

Thema: Frauenarmut in Österreich

Gesellschaftspolitischer und frauenspezifischer Hintergrund:
Österreich zählt zu den reichsten Ländern weltweit – diese Tatsache ist bekannt. Dennoch sind hierzulande rund 220.000 Frauen (ca. 5 %) von manifester Armut betroffen. Sie leben mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze. Weitere 13 % gelten laut einer Erhebung der Statistik Austria als armutsgefährdet. Eine Armutsspirale, die die Mitarbeiterinnen der österreichischen Frauenberatungsstellen in ihrem Arbeitsalltag täglich erleben.
Die Gründe für Frauenarmut sind vielfältig – vom geringeren Lohn und typischen schlecht bezahlten „Frauenjobs“ über die Falle Teilzeitjob bis hin zu Knackpunkten in vielen Frauenleben, die Armut mit sich bringen, wie Trennung, Scheidung oder häusliche Gewalt. Aber auch Migrationshintergrund, fehlende Mobilität oder ein niedriges Ausbildungsniveau können Frauen in die Armutsspirale drängen.

Weibliche Armutsfallen:

Armutsfalle: anerzogener Umgang mit dem Thema Geld

Aufgrund der traditionellen Geschlechtsrollen werden Frauen dazu erzogen, dass sie sich mit dem Thema „Geld“ nicht befassen sollen. Frauen machen daher häufiger Beziehungsschulden (Schulden für andere) als Männer. Sie bewerten Geld tendenziell mit „Sicherheit“ und „Selbstständigkeit“, Männer hingegen mit „Erfolg“ und „Macht“. Da Frauen eher weniger Geld zur Verfügung haben, zeigen sie bei der Veranlagung risikoscheueres Verhalten. Verfügen Frauen über Finanzwissen werden sie mutiger – bei Männern ist genau der gegenteilige Effekt beobachtbar – je weniger Wissen, desto riskanter das Verhalten. Das führt dazu, dass Frauen, wenn sie Geld anlegen, höhere Renditen erzielen als Männer.

Artmutsfalle: Niedriges Ausbildungsniveau und „typische” Frauenberufe

Der Anteil der Maturantinnen an allgemein bildenden höheren Schulen und berufsbildenden höheren Schulen macht bereits 60 % aus. Auch unter den Hochschulabsolventinnen sind Frauen bereits überrepräsentiert. Oft hört man den Satz, dass noch nie so viele Frauen so gut ausgebildet waren. Dennoch zeigt die Regelmäßigkeit der Equal Pay Days, dass trotz guter Ausbildung Frauen immer noch deutlich weniger als Männer verdienen.Die Wahl der Ausbildung und des Berufs stellt ebenso einen „neuralgischen“ Punkt im Leben einer Frau dar. Hier wird ein Grundstein für die Höhe des Einkommens gelegt – und damit auch für die Möglichkeit eine eigenständige Existenzsicherung zu schaffen. Wir kennen die typischen Frauenberufe (Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin), den geringen Anteil von weiblichen Führungskräften und den Umstand, dass selbst in den Frauendomänen, wie Handel und Pflege, vorwiegend Männer in Führungsvollzeitpositionen den Ton angeben. Programme wie „Frauen in die Technik“ versuchen, den Frauenanteil in den besser bezahlten „Männerberufen“ zu heben. Das ist ein legitimer Ansatz, gleichzeitig müssen wir aber auch selbstbewusst darüber diskutieren, warum prinzipiell die Arbeit mit Maschinen höher entlohnt wird als jene mit Menschen. Es geht hier um nicht weniger als einen gesellschaftlichen Diskurs über die Bewertung von Arbeit.

Armutsfalle: Trennung/Scheidung

Scheidung bedeutet für viele Frauen immer noch in die Armutsfalle zu tappen, wobei diese Gefahr bei einer Scheidungsrate, die im Jahr 2013 bei rund 40 % lag, sehr hoch ist. Steigende Lebenserhaltungskosten verschlechtern die finanzielle Situation vieler dieser Frauen deutlich. Im mittleren Erwachsenenalter (25 bis 49 Jahre) stieg sowohl die Zahl der alleinlebenden Frauen, als auch die Zahl der Alleinerziehenden oder in einer Lebensgemeinschaft lebenden Frauen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an.

Armutsfalle: Mutterschaft und Alleinerzieherin sein

Im Durchschnitt bringt eine Österreicherin 1,44 Kinder zur Welt (Mitte der 1939er Jahre lag die Fertilität übrigens auch bei 1,5 %). Gefragt nach der gewünschten Kinderanzahl werden zwei Kinder genannt. Im Sinne der Aufrechterhaltung des Generationenvertrages wären Rahmenbedingungen, die Frauen und auch Männern die Realisierung ihres Wunsches ermöglichen, begrüßenswert. In der Realität sind jedoch 93% aller Alleinerziehenden Frauen, von denen 30 % von Armut gefährdet sind. Zynisch gesagt, könnte der Verzicht auf das zweite Kind auch als Strategie verstanden werden, das Armutsgefährdungsrisiko zu minimieren.

Armutsfalle: fehlende Mobilität

Gerade im ländlichen Raum, wo wenige Arbeitsplätze vorhanden sind, ist für das Annehmen eines Jobs Mobilität und Flexibilität Voraussetzung. Schlecht ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel, kein eigener PKW, da das Familienauto vom Mann als „Versorger der Familie“ verwendet wird sowie die Doppelbelastung Kinderbetreuung, Haushalt und Erwerbsarbeit erschweren eine Vollzeitanstellung oder überhaupt eine Anstellung.

Armutsfalle: Keine bzw. geringe Erwerbstätigkeit und niedrigere Löhne

Es zeigt sich ein deutlicher Knick in den Einkommensunterschieden, der durch einen Anstieg an Teilzeitbeschäftigung bei Frauen ab 25 Jahren bedingt wird. Die höchste Teilzeitquote findet sich mit 56 % bei Frauen im Alter von 35 bis 44 Jahren. 38 % der Frauen in Österreich geben an, aufgrund von Betreuungspflichten Teilzeit zu arbeiten (bei den Männern sind es im Vergleich dazu 5 %). Tradierte Rollenbilder, mangelnde Rahmenbedingungen und das höhere Einkommen der Männer werden als Ursachen genannt.

Armutsfalle: Gewalt im häuslichen Kontext

Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, trennen sich aufgrund des Armutsgefährdungsrisikos weniger oft von ihrem gewalttätigen Partner. Häusliche Gewalt geht auch oft mit ökonomischer Gewalt einher: Frauen werden bewusst in finanzieller Abhängigkeit gehalten, um die Gewaltbeziehung aufrechtzuerhalten.

Armutsfalle: Migrantin sein

Frauen mit nicht Österreichischer Staatsbürgerschaft waren 2008 mit knapp 7,8 % deutlich höher von Arbeitslosigkeit betroffen, als österreichische Staatsbürgerinnen (5,3 %). Sie verdienten 2007 nur rund zwei Drittel des Durchschnittseinkommens von Österreicherinnen. Dementsprechend waren Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich mehr als doppelt so oft armutsgefährdet.

Armutsfalle: Alt sein

Die Lebenserwartung der Österreicherinnen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich erhöht und liegt in etwa bei 83 Jahren – Tendenz steigend. Ein Blick auf das Pensionskonto reicht für viele Frauen aus, um das Thema gleich wieder zu verdrängen. Spätestens jetzt ist mehr als klar, dass das soziale Absicherungssystem mehr als ungerecht konstruiert ist. Solange ausschließlich die Dauer der Erwerbstätigkeit und die Höhe des Erwerbseinkommens für die Berechnung der Pension herangezogen werden, bleiben all jene auf der Strecke, die gesellschaftlich wichtige unbezahlte Arbeit, wie z.B. Kinderbetreuung oder Pflege leisten bzw. geleistet haben. Auch hier geht es wieder um die unterschiedliche Bewertung von Arbeit.

Petition – Geben wir FrauenARMut in ÖsterREICH keine Chance

Petition gegen Frauenarmut

Die Österreichischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen haben diese Petition an die österreichische Bundesregierung ins Leben gerufen und wollen damit auf die erhöhte Armutsgefährdung von Frauen aufmerksam machen.
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